Michael hat bei der Liederarbeitung ein ausgeprägtes Rhythmusgefühl. Lisa konnte in der letzten Musikstunde die Melodie sauber intonieren. Die Liedbegleitung auf Orffinstrumenten bereitet Paul immer noch Schwierigkeiten. Aussagen dieser Art finden wir in einem besonderen Zusammenhang: dem Lehren von Musik. Subjektorientierter Musikunterricht beschreibt die Triangulation von Lerngegenstand (musikalische Wirklichkeit), Schüler (Lernen von Musik) und Lehrer (Lehren von Musik).


Musikunterricht ist entgegen dem Alltagslernen zwar institutionalisiertes, also schulisches Lernen. Entscheidend für das Lehren ist jedoch die Umsetzung in der konkreten Situation durch die Beteiligten des Unterrichts. Lehrende finden dazu in der Pädagogik eine Reihe von Ansätzen.

 

Schülerorientierter Unterricht räumt den Schülerinteressen einen festen Platz im Unterricht ein. Schüler werden in Unterrichtsentscheidungen einbezogen. Unterricht übt sich in Demokratie. Konstruktivistische Pädagogik entwickelt diesen Ansatz weiter und berücksichtigt grundlegende Voraussetzungen der Wahrnehmung von Wirklichkeit. Den wirklichen Schüler gibt es so gesehen nur als Vorstellung im Kopf des Lehrers.

 

Subjektorientierter Musikunterricht ist eine fachdidaktische Perspektive des konstruktivistischen Unterrichts. Die zentrale Herausforderung der Lehrenden besteht beim Subjektorientierten Musikunterricht in der Reflexion, wie Schüler in und über Musik denken.

 

Im Zentrum des Musikunterrichts steht der Schüler, insoweit er Musik konstruiert. Das ist der Unterschied zu allgemeinpädagogischen Ansätzen. Abgesehen davon, ist Musikunterricht grundsätzlich auch Unterricht. Wenn wir als Lehrer nur über eine Vorstellung von Michael, Lisa oder Paul (und allen anderen Schülern) verfügen, dann sind für kompetentes Lehrerhandeln zwei Aspekte entscheidend: Reflexion und Beobachtung.

 

Weitere wichtige Themenbereiche des Lehrens von Musik sind die Zielsetzung, Kompetenzbereiche, Methodik und Phasierung von Musikunterricht.